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Geschichte

Die Geschichte Namibias liest sich wie fast jede Geschichte deutscher Kolonien: Mit einer gewissen Dreistigkeit wurde das Land annektiert, die Bodenschätze abgebaut und zu Beginn des Ersten bzw. Zweiten Weltkrieges schnell verlassen.

Manche Deutsche sind nach den Wirren der Weltkriege hier geblieben oder zurückgekehrt. Ihre Wurzeln sahen sie eher im südwestlichen Afrika als in Mitteleuropa.

Für die Gegenwartsgeschichte ist das interessant, doch offenbart Namibia eine durchaus viel tiefgründigere Geschichtsschreibung, die schon bereits vor mehreren tausend Jahren begann.

Die ersten Spuren hinterließen die Ureinwohner mit ihren bis heute rätselhaften künstlerischen Felsgravuren und -zeichnungen. Viel später dann, mit der Entwicklung der Schifffahrt, nahmen die Europäer das Land für sich ein und entdeckten Namibia als lohnenswerte Kolonie.

Das Zeitalter der Diamantensucher im beginnenden 20. Jahrhundert mündete in der Apartheid der südafrikanische Mandatsmacht bis hin zur Unabhängigkeit, der Proklamation des Staates Namibia und dessen Gegenwart in der globalisierten Welt.

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Ur- und Frühgeschichte
Das heutige Namibia kann auf eine frühe Besiedlung zurückblicken. Schon vor Tausenden Jahren bewohnten Bevölkerungsgruppen die Landstriche und hinterließen der Nachwelt archäologische Fundstücke, welche einen kleinen historischen Einblick in die Kultur und Lebensweise der Frühmenschen geben.
Die frühesten Knochenfunde werden auf ein Alter von 12 – 15 Millionen Jahren geschätzt. Die Fundstätte befindet sich in den Otavibergen. Der hier lebende Menschenaffe (Otavipethekus namibiensis) weist Namibia als einen der ältesten Siedlungsräume früher Hominide aus.
Die wichtigsten Quellen früher namibischer Geschichte sind die Felszeichnungen und –gravuren in Twyfelfontein, dem Brandberg, dem Erongogebirge, dem Spitzkoppegebiet und der Ameib Ranch. Eine genaue Datierung ihrer Entstehung sowie die kulturelle Zuordnung ihrer Erschaffer sind sehr schwierig. Nach heutigen Erkenntnissen sind die Bilder wenige hundert bis zu 25.000 Jahre alt. Die Motivwahl und das Fehlen von Haustieren lässt darauf schließen, dass es sich bei den Künstlern um Sammler und Jäger gehandelt haben muss, welche ihr Beutespektrum, die Art des Jagens sowie kultische Handlungen festgehalten haben.

Zwischen 10.000 und 7.000 v.Chr. lebte der sogenannte Otjiseva-Mensch im Norden des heutige Namibia. Er hinterließ Steinwerkzeuge und Schmuck aus Straußeneiern und Schiefer. Er benutzte Reib- und Mahlsteine, sowie Keramik, Behälter aus Straußeneiern und bearbeitete Knochenspitzen. Während der Jungsteinzeit bis 1.000 v.Chr. entwickelten sich Materialien und Techniken der Werkzeuge weiter. Im heutigen Zoo Park von Windhoek entdeckten Archäologen eine Werkstatt für Werkzeuge, welche aus Elefantenknochen hergestellt wurden. Während im alten Ägypten bereits 1.000 v.Chr. erste nachgewiesene Eisenzeitzeugnisse hergestellt wurden, datiert man Spuren dieser Entwicklung im südlichen Afrika erst ab der Zeitenwende. Zu den ältesten Bewohnern des heutigen Namibia zählen die San (oder Buschmänner) und die Damara. Erstere bewohnten ursprünglich südlicher gelegene Gebiete zwischen dem Indischen und dem Atlantischen Ozean. Von dort wurden sie von nomadisierenden Hirtenvölkern Stück für Stück vertrieben und in die unwirtlichen Gebiete der Kalahari gedrängt. Das Hirtenvolk der Damara lebt heute noch im südlichen Kaokoveld. Das in Richtung Norden ziehende Nomadenvolk der Nama und die aus dem Norden kommenden Bantuvölker der Herero und Ovambo (Ambo) weisen die ursprüngliche Bevölkerung in der Mitte des 16. Jahrhunderts in ihre Grenzen.

Ankunft und Vordringen der Europäer
Zu Beginn des Jahres 1486 setzt Diogo Cão als erster Europäer seinen Fuß auf namibischen Boden und errichtet ein Padrão (Steinkreuz) am Kreuzkap. Ein Jahr später landet Bartolomeu Diaz an der namibischen Küste und nennt diese Terra Santa Barbara (wahrscheinlich in der Nähe des heutigen Swakopmund). 1488 landet Bartolomeu Diaz erneut an der namibischen Küste und errichtet ein Padrão in der von ihm benannten Bucht Angra de São Chrístovão. Die Bucht wird später in Angra Pequeňa umbenannt und befindet sich an der Stelle der heutigen Stadt Lüderitz. Die von den portugiesischen Seefahrern errichteten Steinkreuze befinden sich nicht mehr an den Landungsbuchten. Um die Originalkreuze zu schützen werden diese in Museen ausgestellt – Nachbildungen der Originalkreuze stehen an den historischen Orten der ersten Anlegestellen.

Ab dem Zeitpunkt der ersten Landungen beginnt das Interesse für eine spätere und langfristige Besitznahme des heutigen Namibias durch die europäischen Mächte. Ziel der Besetzungen ist fast ausschließlich der Erwerb von Reichtum gewesen, welcher mit Landerwerb bzw. späterer Landnahme einherging.
Bevor jedoch auf diesem Gebiet die ersten Europäer Fuß fassten und dies als ihr eigenes Land betrachten konnten, ließen sich ab dem 19. Jahrhundert britische und deutsche Missionare der Londoner Missionsgesellschaft (1802) und der Rheinischen Mission (1842) nieder. Neben ihrem Hauptanliegen – der Christianisierung heidnischer Völker – galt es auch die sich bekriegenden Herero und Nama zu befrieden. Deren Landstreitigkeiten führten seit dem 18. Jahrhundert zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den aus dem Norden in Richtung Süden ziehenden Herero und den in Richtung Norden wandernden Nama. Während sich die Nama mit den Orlam – ihren Verwandten Clans aus dem Süden – verbündeten und auch die Schrift der Missionare annahmen, verschafften sie sich dadurch einen offensiven Vorteil, der die Herero wieder in nördliche Gebiete zurückdrängte und den Nama eine lokale Vormachtstellung bescherte.
Durch das weitere Vordringen europäischer Siedler – ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch Kupferfunde am Swakopfluss angelockt – ruft 1858 der Orlamhäuptling Jonker Afrikaner alle namibischen Völker zum Friedensvertrag und Stämmebund von Hoachanas zusammen. Der Vertrag sollte den Zusammenhalt der unterschiedlichen Ethnien der Region unterstreichen, aber auch den Umgang mit den weiter ins Land vordringenden europäischen Siedler regeln. Der Friedensvertrag verhindert jedoch nicht die ihm folgenden Auseinandersetzungen zwischen den Einheimischen und den europäische Händlern und Missionaren, weshalb Großbritannien und das Deutsche Kaiserreich um Schutz gebeten werden.
Für die in Konkurrenz stehenden Mächte rückt das südwestliche Afrika immer weiter in den Mittelpunkt ihres Interesses. Am 12. März 1878 besetzte Großbritannien das Gebiet um den Seehafen Walvis Bay und leitete damit die Streitigkeiten um die Kolonialherrschaft im südlichen Afrika ein.
Wenige Jahre später, am 12. Mai 1883, hisst Heinrich Vogelsang im Namen Adolf Lüderitz‘ die deutsche Flagge in Angra Pequeňa. Das Gebiet um die Landungsbrücke und weitere große Ländereien im Hinterland wurden zuvor dem Nama-Häuptling Joseph Fredericks „abgekauft“. Kurze Zeit später reiste der Bremer Tabakhändler und Kaufmann Adolf Lüderitz persönlich nach Südwestafrika und gab dem Ort seinen Namen – Lüderitz.
Die Region stand noch nicht unter dem Schutz des Reiches und als deutsches Protektorat war es noch nicht vom Reichskanzler abgesegnet. Dies geschah erst im April 1884 mit dem offiziellen Hissen der deutschen Reichsflagge, nachdem selbige über Togo und Kamerun wehte. Die Kolonie Deutsch-Südwestafrika war geboren.

Die deutsche Kolonialherrschaft
Die internationale Legitimierung der Kolonie sowie die Aufteilung Afrikas unter den europäischen Kolonialmächten, wurde durch die Berliner Kongokonferenz (1884-1885) verabschiedet. In der auf den Vertrag folgenden Zeit handelte Deutschland mit den Portugiesen den genauen Grenzverlauf zu deren im Norden liegenden Kolonie Angola aus. Im Helgoland-Sansibar Vertrag mit England konnte die Kolonie Deutsch-Südwest um den Caprivi-Zipfel erweitert werden und erhielt dadurch einen Zugang zum Sambesi. England wurde hierfür Helgoland überschrieben.
Die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, 1885 gegründet, begann sofort mit ihrer Arbeit: sie holte deutsche Siedler in das Land und verpachtete diesen große Farmländereien. 1891 wird Windhoek, das ehemalige Stammeszentrum der Orlam, zum offiziellen Sitz des deutschen Kommissariats ernannt. Da die Landnahme ohne Rücksicht auf die traditionellen Stammesgrenzen vorgenommen wurde, führte dies unweigerlich zu Spannungen und Auseinandersetzungen, welche durch die ins Land gebrachten Deutschen Schutztruppen kontrolliert und niedergeschlagen werden sollten. Zwar bestand ein Schutzvertrag mit den im Norden lebenden Herero, welchem sich die Nama entzogen, jedoch rissen die Auseinandersetzungen zwischen beiden Ethnien nicht ab, was die geringe Zahl an stationierten Soldaten stark überforderte und sie den versprochenen Schutz der Herero nicht weiter gewährleisten konnten. In der Folgezeit nachdem die Schutzverträge aufgekündigt wurden, kam es gehäuft zu Übergriffen von sowohl Herero als auch von Nama auf deutsche Händler und Siedler. Die Schutztruppen mussten wiederholt verstärkt und die deutsche Herrschaft konnte nur mit militärischer Gewalt durchgesetzt werden.

Im Januar 1904 begann der folgenschwere Aufstand der Herero unter ihrem Häuptling Samuel Maherero. In Okahandja beginnend breitete sich die Rebellion schnell über das ganze Land aus und versetzte das Deutsche Reich in den Kriegszustand – welcher erst drei Jahre später aufgehoben werden sollte. Trauriger Höhepunkt sowie das Ende des Aufstandes war die Schlacht am Waterberg. Hier wurde der Hereroaufstand blutig niedergeschlagen. Der damalige Oberbefehlshaber der deutschen Truppen, Generalleutnant Lothar von Trotha, drohte den Herero mit einem Vernichtungsschlag, bei dem keine Gefangenen gemacht werden sollten. Er behielt Recht: nach der Schlacht am Waterberg wurden alle Überlebenden in die wasserlose Omaheke- Kalahari getrieben. Von ehemals 80.000 Herero überlebten die Vertreibung etwa 15.000 (Losskarn, 2007/ 266). Deutschland beging seinen ersten Genozid.

Waren die Nama anfänglich noch Verbündete der Deutschen im Kampf gegen die Herero, machten sich diese kaum noch Illusionen über ein gleichberechtigtes Verhältnis zur Kolonialmacht. Gegen Ende des Jahres 1904 erklärten auch sie unter ihrem Häuptling Hendrik Witbooi den Deutschen den Krieg. Etwa ein Jahr dauerte der Guerillakrieg der schlecht ausgerüsteten und in der Minderheit stehenden Nama gegen die Besatzungsmacht. Im Oktober 1905 wurde Hendrik Witbooi bei einem Raubüberfall tödlich verwundet – ohne ihren charismatischen Führer sahen die Nama diesen Krieg als verloren an und kapitulierten. Jedoch ging der Guerillakampf unter Simon Kooper und Jakobus Morenga bis 1907 weiter.
Nach dessen Niederschlagung meldete der damalige Gouverneur Deutsch-Südwestafrikas nach Deutschland, dass der Kriegszustand aufgehoben werden könne und das Land unter Kontrolle sei. Insgesamt kosteten die Aufstände ca. 60.000 bis 70.000 indigenen Männern, Frauen und Kindern das Leben, woraus sich für die Besatzungsmacht ein neues Problem ergab: Wie kann ohne billige Arbeitskraft die Kolonie erfolg- und profitreich ausgebeutet werden?
Hierzu wurde ein verbindliches Pass-System eingeführt, welches die Besitzer zwang, für die weißen Herrscher zu arbeiten – eine frühe Form der später in Südafrika vollzogenen Apartheidpolitik. Als 1908 bei Lüderitz Diamanten entdeckt wurden und ein gewaltiger Diamantenboom ausgelöst wurde, bescherte dies Deutsch- Südwestafrika und dem gesamten Reich einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung.

Jedoch konnte sich nur kurz an diesem neuen Reichtum erfreut werden – mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges marschierten am 13. September 1914 südafrikanische Truppen unter der Führung von Louis Botha in Deutsch-Südwest ein und zwang Deutschland zur Kapitulation. Diese wurde am 9. Juli 1915 unter dem letzten Kommandeur der Deutschen Schutztruppe Victor Franke erzwungen.

Unter südafrikanischem Mandat
Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches wurden die deutschen Siedler aus ihrer ehemaligen Kolonie in ein südafrikanisches Internierungslager bei Pretoria, später nach Pietermaritzburg, abtransportiert. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden den Deutschen im Vertrag von Versailles sämtliche Kolonien abgesprochen – Südwestafrika wurde somit zum Mandatsgebiet des Völkerbundes und Südafrika Mandatsmacht. Durch das Londoner Abkommen von 1923 wurde den ehemaligen deutsche Siedlern ein Bleiberecht neben den neuen südafrikanischen Herrschern eingeräumt – der Traum der indigenen Bevölkerung, ihr Land wieder zu bekommen und ohne Fremdherrschaft zu leben, zerplatzte somit.

Weitaus schlimmer gestaltete sich die Situation durch die Pläne Südafrikas, ihr Mandatsgebiet wie im eigenen Land in Homelands aufzuteilen. Hierzu wurde jeder Bevölkerungsgruppe ein festes Territorium zugeteilt, das nicht dauerhaft verlassen werden durfte. Ab den 30er Jahren verwaltete Südafrika das Gebiet wie eine fünfte Provinz des eigenen Landes, mit gleichen Pass- und Arbeitsgesetzen und ohne die Möglichkeit einer individuellen Entwicklung der Bevölkerung. Ausgehend vom Idealismus weißer Südafrikaner und deutscher Siedler, herrschten auch in Südwestafrika starke Rassentrennungen als Basis weißer Kolonialherrschaft. Die Regulierung der Homelands erfuhr später im Jahre 1963 durch den Odendaal-Plan eine konkretere Umsetzung: 46,7% des Landes blieb in der Hand der Weißen. Die Homelands waren weiterhin streng nach Ethnien aufgeteilt und hatten keine Möglichkeit sich substanziell zu versorgen. Das bestehende Abhängigkeitsverhältnis der indigenen von der herrschenden Bevölkerung konnte somit beibehalten werden.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden deutsche Siedler wiederholt interniert. Dies geschah entweder auf dem eigenen Farmland oder in südafrikanischen Lagern. Nach Kriegsende wurde der Völkerbund, der Südafrika als Mandatsmacht einführte und weiterhin legitimierte, aufgelöst und durch die Vereinten Nationen ersetzt. Der neue Bund veranlasste, dass das Mandatsgebiet in die Treuhandschaft der UN überführt werden soll, wogegen sich Südafrika strikt weigerte und stets die Eingliederung als 5. Provinz in die Südafrikanische Union forderte. Dieser Konflikt verstärkte sich, als bei den südafrikanischen Wahlen 1948 die Nationale Partei gewann und ihre Rassenideologie in der Verfassung, welche fortan auch für Südwestafrika galt, festsetzte. Den Machtstatus über das Land wollte Südafrika nicht aufgeben. Als Gründungsmitglied der Vereinten Nationen verweigerte es sogar die Informationspflicht gegenüber der UN, Auskünfte über das eigene Mandatsgebiet zu geben.

Aufforderungen von der UNO ab den 60er Jahren, das Mandat abzugeben, wurden stets ungehört abgewiesen. Erst als 1971 der Internationale Gerichtshof des Mandat Südafrikas für illegal erklärte, lenkte Südafrika mit ersten Schritten ein und empfahl Südwestafrika nach einer Übergangsperiode von unbestimmter Zeit in einen selbständigen Staat zu entlassen.

Der 1957 in Kapstadt gegründete Ovamboland People’s Congress (OPC), entstand als eine Art Gewerkschaftsvertretung aller Namibier in Südafrika. Aus dieser Bewegung heraus entstand 1960 die spätere Regierungspartei Namibias SWAPO – South West African People’s Organisation. Durch das Engagement der Sowjetunion, welche die SWAPO in ihrem Kampf in Südwestafrika finanziell und militärisch unterstützte, sah sich Südafrika von Kommunisten im Nachbarland bedroht. Nachdem in den 60er Jahren viele afrikanische Nationen in die Unabhängigkeit geführt wurden, musste auch Südafrika einsehen, dass Südwestafrika nicht länger gehalten, geschweige denn in Südafrika integriert werden konnte. 1973 erkannte die UNO die SWAPO das Alleinvertretungsrecht für Namibia zu, was jedoch weitere Gruppierungen des Landes ausschloss und 1974 zur so genannten Turnhallen-Konferenz führte. Hier tagten alle elf Volksgruppen unter Ausschluß der SWAPO und verabschiedeten für 1978 einen Termin zu Wahlen, bei deen zum ersten Mal alle Einwohner des Staates teilnehmen und eine Verfassungsgebende Versammlung wählen durften. Auch wurde versucht die SWAPO hiervon auszuschließen, trotz des Widerstandes der UNO. Aus den Wahlen ging die Demokratische Turnhallenallianz (DTA) als Sieger hervor – eine Partei der konservativ-rechten Minderheit der Weißen. Da die Wahlen manipuliert waren, wurden sie von der UNO und der SWAPO nicht anerkannt – Dirk Mudge, Vorsitzender der DTA, wurde jedoch bis zur Auflösung des Parlaments 1983 als Ministerpräsident vereidigt. Auf ihn folgte ein weiterer von Südafrika eingesetzter Interimspräsident.

Bis gegen Ende der 80er Jahre kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen südafrikanischen Truppen und Freiheitskämpfern der SWAPO, sowie auch kubanischen Armeebeständen, welche von Angola aus gegen das Apartheid- und Besatzungsregime kämpften. Erst 1988 in der Entspannungsphase des Kalten Krieges änderte Südafrika seine Intentionen und erklärte sich im Rahmen eines UN-Friedensvertrages bereit, die Besatzung Südwestafrikas aufzugeben. Die Streitkräfte zogen sich erst kurz nach den ersten freien Wahlen Namibias im November 1989 aus dem Gebiet zurück.

Unabhängigkeit Namibias
Eindeutiger Wahlsieger der ersten freien und demokratischen Wahlen wurde die SWAPO – Sam Nujoma der erste Präsident Namibias. Am 21. März 1990 wurde die Unabhängigkeit Namibias feierlich proklamiert.

Entgegen vieler Befürchtungen vor Vergeltungsmaßnahmen gegen die weiße Minderheit des Landes fand eine von nun an eine Politik der Versöhnung (Reconciliation) statt, welche mehrere Amtsperioden der SWAPO anhielt. Die neue demokratische Regierung holte sich Weiße und Mitglieder verschiedener indigener Volksgruppen ins Parlament und die Ministerien.

In den Jahren 1992/1993 wurde eine Reform der Regional- und Kommunalverwaltung durchgeführt, was zur Folge hatte, dass die von der ehemaligen Mandatsmacht Südafrika proklamierten Homelands aufgelöst und anstatt ihrer 13 gleichberechtigte Regionen eingeführt wurden. Auch im ökonomischen Sinne entfernte man sich von Südafrika: die langjährige Währung des Rand wurde durch den Namibia-Dollar ersetzt. Weiterhin trat Südafrika die letzten Gebiete an Namibia ab, die es bis dahin noch kontrollierte. Dies waren der Handels- und Fischereihafen Walvis Bay sowie zwölf vorgelagerte Inseln. Walvis Bay wurde wenige Jahre später zur Freihandelszone erklärt und ist somit, international gesehen, zum wichtigsten Hafen des Landes geworden.

Bei der Wahl von 1994 wurde die SWAPO erneut mit überwältigender Mehrheit (2/3 Mehrheit) wiedergewählt und Sam Nujoma als Staatspräsident bestätigt. Obwohl die namibische Verfassung eine dritte Amtsperiode des Präsidenten nicht erlaubt, kandidierte Nujoma im November 1999 erneut. Zwar wurde er mit großer Mehrheit wiedergewählt, jedoch erlitt das Land hierdurch einen Imageschaden seiner jungen Demokratie.

Seit November 2004 ist der ehemalige Landwirtschaftsminister Hifikepunye Pohamba neuer Staatspräsident Namibias – allerdings ist Sam Nujoma weiterhin politisch aktiv und gilt trotz seiner Abwesenheit als stärkster Mann im Lande. Die SWAPO sowie Pohamba wurden bei den Wahlen 2009 wiederholt als Regierungspartei und Staatspräsident bestätigt, obwohl sich eine Splittergruppe aus der SWAPO heraus gebildet hat: die RDP (Rallye for Democracy and Progress) gilt als größte Oppositionspartei und konnte 11,4% der Wählerstimmen für sich gewinnen.